Cordula de Bloeme
Fotografie

anOther View 2013

Fotografie und Forschung, Institut für Ethnologie der LMU München

Begleittext zur Fotoausstellung vom 29.11. bis 06.12.2013

Diese Fotoausstellung ist im Rahmen des Forschungsseminars Fotografie des Instituts für Ethnologie unter der Leitung von Cordula de Bloeme und Carolin Hirschfeld entstanden.

Die Geburtsstunde der Fotografie und erste europäische Expeditionen in entfernte Regionen hatten sich zunächst gegenseitig angeregt. Exotismus und die Überfülle an Fotografien steuerten zum Ende der Kolonialzeit ihrem Höhepunkt entgegen.

Gerade der oft entwürdigende Umgang mit Personen in damals kolonial beherrschten Gebieten, die man häufig auch gewaltsam vor die Kamera gezerrt hat, ist für Forscher und Fotografen ein schweres Erbe, mit dem sich jeder auseinandersetzen muss.

Reflexionen innerhalb des ethnologischen Diskurses über die meist ungleich verteilten Machtverhältnisse zwischen Forscher und „Beforschten“ im Feld und darüber hinaus die gesamte Krise der Repräsentation führten im letzten Jahrhundert zu engen Bewegungsschranken. Schließlich rückte die Fotografie als ernstzunehmendes Forschungsinstrument ganz in den Hintergrund. Daraus resultierte eine eingeschränkte Auseinandersetzung der Forscher mit visueller und auch medialer Repräsentation vor allem in Zusammenhang mit der geschrieben Ethnografie. Auch heute stößt man überall auf Fotoausstellungen, an denen solche Überlegungen scheinbar spurlos vorbeigegangen sind. Während sich die visuelle Anthropologie in den letzten Jahrzehnten im Bereich des Films immer weiter entwickelte, konnte sich die ethnologische Fotografie in der Wissenschaft kaum etablieren.

Unser persönliches Anliegen ist es daher, den Diskurs über die Verwendung der Fotografie innerhalb der empirischen Forschungsarbeit anzuregen. Wir wollten im Seminar der Frage nachgehen, wie man heute im Rahmen einer ethnologischen Forschung fotografieren kann oder wie man fotografierend forscht.

Entscheidend ist hierbei, Blicke in andere Richtungen der Fotografie zu werfen, wie etwa der Dokumentarfotografie und der Kunstfotografie, um eine sogenannte „ethnografische“ Fotografie zu positionieren.

Wir wollen keine eindeutigen Lösungsansätze präsentieren oder etwa eine Anleitung zum moralisch einwandfreien Fotografieren liefern. Vielmehr geht es uns darum, eine Reflexion anzustoßen über den Verlauf des Fotografierens in einer Forschungssituation. Wir rücken damit den zwischenmenschlichen Teil im Feld ins Zentrum des Bewusstseins.

Ethik, Autorität, Objektivität, Repräsentation und Selbst-Reflexion sind die wichtigen Eckpunkte, die es zu hinterfragen gilt.

Konzeptionell haben wir uns in das Feld der freien Kunst gewagt, die einen verspielten und subjektiven Umgang mit allen Themen erlaubt und orientieren uns an der „neuen Dokumentarkunst“, welche die Unvollkommenheit der Informationen annimmt.

 

Die hier vorgestellten Fotoprojekte basieren auf Feldforschungen der jeweiligen Studentinnen, bei der es darum geht, um es ganz kurz zu fassen, kulturelle Gegebenheiten multiperspektivisch zu erfassen.

Um dem gerecht zu werden beschäftigten wir uns auch mit der Frage nach dem Verhältnis von Bild und Text: während eine Theorie oder ein Text stets abstrakt bleibt, gleichzeitig aber eindeutige Aussagen trifft, liefert das Foto ein konkretes Bild, lässt aber den Interpretationsspielraum offen. Beide Medien zusammen sollen hier den prozesshaften Verlauf einer Begegnung von Menschen demonstrieren. Sowohl die daraus gewonnenen Erkenntnisse, wie auch die noch offenen und unbeantworteten Fragen sensibilisieren den Betrachter für die Thematik.

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