Cordula de Bloeme
Fotografie

IN TRANSITION

Barcelona, Januar - Mai 2011

Aus anthropologischer Perspektive betrachtet lässt der private Wohnraum, der domestic space, Schlüsse auf unsere kulturellen Praktiken in zweierlei Hinsicht zu:

Zum einen ist er oftmals ein gemeinsamer, geteilter Raum, an dem viele (Familien-) Rituale stattfinden, in dem Aufgaben unter den Mitbewohnern aufgeteilt werden und an dem sich unser Alltagsverhalten offenbart. Um den kulturellen Raum in seiner kleinsten Einheit zu beobachten, sozusagen als Mikrokosmos im Makrokosmos, ist das zu Hause äußerst aufschlussreich.

Zum anderen ist unser zu Hause der Ort, an dem wir unterscheiden zwischen dem, was "wir" oder "ich" und dem, was die "anderen" sind. Das zu Hause besteht also aus dem, was wir als privat betrachten und definiert sich an der Differenzierung zu dem, was wir als fremd, nicht unseres, als öffentlich begreifen.

So gesehen steht der `domestic space` für die Erweiterung unserer kulturellen Identität, er gibt Aufschluss über unseren kulturellen, psychologischen und persönlichen Zustand.

Diese Fotoserie zeigt Menschen „IN TRANSITION“, in Übergangssituationen in welchen es weder vor noch zurück geht. Menschen, die an solchen Plätzen leben, die dem Bild des zu Hauses als heiligen Ort, als Rückzugsgebiet nicht entsprechen; den sie nicht als ihr zu Hause bezeichnen und auch nicht als solchen empfinden.

Obwohl die Personen ihre jeweilige Bleibe eigentlich nur übergangsweise beziehen wollten, verharren viele von ihnen dort für sehr lange Zeit - ohne greifbare Perspektive bzw. Alternative. Manchmal wird aus dem vermeintlichen zu Hause ein Ort der Einsamkeit.

Blickt man aufmerksam um sich, findet man viele Menschen, die heimatlos oder fern ihrer Heimat wohnen; aus verschiedensten und oftmals tragischen Gründen.